Die Pichler GFG AG und der Spagat zwischen Luxus und Alltag

29. Mai 2020 agvs-upsa.ch – Mitten in der idyllischen Naturlandschaft des Saanelandes, eine gute eine Stunde Fahrt entfernt von jeder Autobahn, liegt die Pichler GFG AG. Trotzdem beherbergt das traditionsreiche Familienunternehmen, das ­Anfang 2020 einen neuen Besitzer sowie einen neuen Geschäftsführer ­erhalten hat, eine der PS-stärksten Kundenflotten aller Schweizer Garagen.

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jas. Chaletdorf reiht sich an Chaletdorf und irgendwie fällt der Alltagsstress automatisch von einem ab, während man von Thun her am friedlich weidenden Fleckvieh vorbeifährt. Von Saanen geht es runter ins Hochtal. Links ragt das weltbekannte Luxushotel Gstaad Palace in die Höhe. Dann, rund sieben Kilometer nach Gstaad in Richtung Aigle, mitten im Grünen mit herrlicher Bergkulisse im Hintergrund, liegt das Gebäude der Pichler GFG AG in Feutersoey BE. Wer in dieser Naturidylle nun eine Subaru- oder gar Aebi-Vertretung erwartet hat, liegt komplett falsch! Hier prangen neben dem Mercedes-Benz-Logo auch Porsche- und Bugatti-Embleme an der Fassade.
 
Gegründet wurde die Garage am 1. Januar 1988 von Othmar Pichler, der mit seinem Bruder und administrativem Leiter, Erich Pichler, für die Geschicke der Firma Pichler Cars verantwortlich zeichnete. Vom anfänglich nur 75 Quadratmeter grossen, angemieteten Raum ist der Betrieb zu einem Kompetenzzentrum für Luxus- und Oldtimerfahrzeuge mit 17 Mitarbeitenden geworden, das eine Strahlkraft weit über die Region hinaus hat. Anfang 2020 hat der Basler Unternehmer Beat Imwinkelried die Traditionsfirma im Zuge einer Nachfolgelösung übernommen. Chris Schenk kümmert sich nun als Geschäftsführer um die Garage im Saanenland, die mit einem breiten Angebot von Neu- sowie Gebrauchtwagen, klassischen Fahrzeugen, umfangreichen Serviceleistungen, Reparaturen und Autoeinlagerungen aufwartet. «Der Spagat ist schon sehr gross, aber wir haben auch ein breites Markenportfolio, das uns ideale Möglichkeiten bietet, die unterschiedlichsten Bedürfnissen abzudecken», erläutert der 46-jährige Berner zur Begrüssung.

Und wie stark spürte die Garage, die Luxusmarken wie Bugatti vertritt, die Corona-Krise? «Neuwagen-Kunden liefen bei uns auch vor Corona selten einfach in den Showroom, sondern vereinbaren meist ein Rendez-vous», erklärt Schenk. «In der Werkstatt haben wir sowieso immer genug Arbeit. Es ist eher eine Frage der Planung, wann welches Fahrzeug wieder bereitstehen muss. Dank den rund 250 Fahrzeugen in unserem Storage haben wir mehr Flexibilität und ganz andere Zeit- sowie Planungszyklen.» Entscheidend ist für Schenk, dass man individuell auf die Bedürfnisse der Pichler-Kundinnen und -Kunden eingehe. «Das gilt sowohl für diejenigen, die am Morgen eine Mercedes A-Klasse zum Service bringen und am Abend wieder holen wollen, als auch für Kunden, die ihren Bugatti hier haben.» Die heterogene Struktur der Kundschaft mit einer gesunden Mischung aus Einheimischen genauso wie Superreichen mit exquisitem Fahrzeuggeschmack sorgte dafür, dass die Auslastung für die 17 Mitarbeitenden selbst in der Krise gut war. «Zudem blieben viele Wintergäste aus Spanien oder Italien, die zuhause mit Ausgangssperre hätten leben müssen, lieber noch etwas länger in Gstaad. Das hat in dieser schwierigen Zeit für genügend Arbeit gesorgt», so Schenk.

Dabei scheint es rund um das markante, graue Stahlträger-Gebäude viel Platz und viel leeren Asphalt zu haben. Doch Schenk winkt ab: «Das täuscht. Im Winter mit dem ganzen Schnee wird es eng. Und selbst im Sommer will man ja keine unnötigen Risiken eingehen und bei Hagelgefahr Autos draussen stehen haben.» Im einen Gebäude der Pichler GFG AG sind Empfang, Büros und der Mercedes-Benz-Showroom sowie das Classic-Center untergebracht. Im zweiten Gebäude hat es Platz für weitere Werkstattboxen und die Marke Porsche. Im ersten Stock befindet sich der Bugatti-Showroom mit organisch geformten Sesseln aus feinstem Leder, die sich auch in einem Science-Fiction-Film gut machen würden. Ein Lounge-Bereich, eine kleine Bibliothek mit einem unglaublichen Fundus an Autobüchern sowie eine Anzahl erlesener Fahrzeuge, die gekauft werden können – wie aktuell ein auf weltweit 150 Stück limitierter Aston Martin Vantage GT8 – finden Platz. 

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Doch wie bei den oberirdisch teilweise bescheiden aussehenden Luxuschalets rund um Gstaad bergen auch die Gebäude in Feutersoey unterirdische Geheimnisse. Geschäftsführer Chris Schenk führt AUTOINSIDE hinunter in die «heiligen Hallen» der Pichler GFG AG. Was hier bei optimaler Luftfeuchtigkeit und Temperatur steht, würde auch vielen Automuseen gut anstehen. Hinter einer mehrfach gesicherten Tür warten die Supersportler und Luxuskarossen und schlummern bis zu ihrem nächsten Einsatz vor sich hin. Logischerweise sind alle fahrbereit und frisch gereinigt. «Gereinigt, nicht gewaschen», präzisiert Schenk. «Das ist wichtig. Nicht jedes Auto wird bei uns gewaschen, sondern die meisten ‹nur› gereinigt.» Der Lack der exquisiten Stücke soll nicht unnötig beansprucht werden. Auch Türgummis und Dichtungen haben nicht gerne nass. «Wir nehmen jeweils alle wichtigen Daten auf, bevor wir sie hier einlagern.» So ist das Pichler-Team stets über den Serviceplan, Reifenalter, Profiltiefe, MFK-Datum oder auch spezielle Wünsche des Besitzers im Bilde und kann dadurch proaktiv auf den Fahrzeugbesitzer zugehen. «Wir kümmern uns mit grösster Sorgfalt um diese automobilen Schätze, betreuen aber auch diverse Fahrzeuge, die nicht bei uns, sondern in den Chalets selbst stehen. Zudem haben wir noch eine weitere Halle, in der wir die grossen Fahrzeuge wie Rolls-Royce Cullinans, Bentley Mulsannes oder Mercedes G63 AMG 6x6 untergebracht haben.»

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Während wir an acht Bugatti Veyrons entlangschreiten, ergänzt Chris Schenk: «Wir haben aktuell einige Lücken. Viele Autos sind momentan im Einsatz.» Doch selbst die Fahrzeuge, die noch hier stehen, rauben jedem Autofan den Atem: Gleich drei Alfa Romeo 8C, dazu zahlreiche Ferraris, Bentleys oder Porsche 911-Varianten. Dazwischen, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre, steht ein Ruf C12 sowie ein legendärer Porsche 550 Spyder. «Das ist ein Original. Wir haben aber auch noch eine Replika», erwidert Schenk. Ein Stock tiefer warten unter anderem drei Porsche 918 Spyder, ein wunderschöner Supersportler aus den 1980er-Jahren, ein Ferrari F40, diverse Mercedes SLS AMG Black Series sowie ein McLaren Senna auf das Eintreffen ihrer Besitzer und die nächste Ausfahrt. «Wir haben eigentlich hier alles», gesteht Schenk. Diese gelte auch für die Besitzer: «Die einen haben sich damit einen Traum erfüllt, für andere komplettiert der Wagen ein Teil einer Sammlung, einige sehen ihn als Investition – die Vielfalt ist enorm.» Wie kann man als Garage solche automobilen Schätze überhaupt assekurieren? «Die Versicherung ist Sache der Besitzer. Wir schauen einfach, dass sie bei optimalen Bedingungen gelagert werden. Aber wir arbeiten eng mit einem Versicherungsmakler zusammen, da nicht alle Autos eingelöst sind. Er hilft uns, diese Fahrzeuge innert nützlicher Frist wieder auf die Strasse zu bringen», ergänzt der Geschäftsführer.
 
Wir verlassen die Schatzkammern und kehren Richtung Tageslicht zurück, vorbei am Reifenlager mit rund 2500 eingelagerten Pneus. «Wenn ein Kunde anruft und will, dass sein Wagen winterbreit ist, dann werden nicht nur die passenden Reifen aufgezogen, dann müssen auch der Skiträger und der Bodenteppich dazu bereitgelegt werden. Daher lagern wir hier nicht nur Gummis», so der 46-Jährige zum individuellen Rundumservice. Weiter geht es am Wasch- und Reinigungscenter vorbei zum Werkstattbereich, der den Klassikern vorbehalten ist. Denn ganz stark – und das im wahrsten Sinne des Worts – ist die Gstaader Garage auch in diesem Bereich. Seit über 15 Jahren bringen Vater Hans und Sohn Peter Stark hier Traumautos mit Jahrgang 1970 und älter wieder auf Vordermann. Die Garage war übrigens der erste Mercedes-Benz-Classic-Partner der Schweiz. 

Während Peter Stark gerade am offenen Herz eines alten Ferraris arbeitet, kümmert sich sein Vater Hans um einen Mercedes-Benz, den einst der deutsche Kanzler Konrad Adenauer fuhr. «Restaurationen, Revisionen – die beiden sind ein unglaubliches Gespann mit einem riesigen Erfahrungsschatz», erläutert Schenk anerkennend. Ist ein Originalteil nicht mehr erhältlich, hat die Garage sogar die nötigen Fräse- und Drehmaschinen, damit ein Teil selbst hergestellt werden kann, obwohl das über mehrere Stockwerke einsetzbare Lagersystem Megalift FSE mit seinen bis zu 40 Tonnen Material auch eine wahre Fundgrube für Ersatzteile ist. Während wir am Motorenprüfstand vorbei Richtung Warteraum für die Old- und Youngtimer-Spezialisten schlendern, erklärt Schenk: «Bei Pichler müssen wir Leistung und Top-Service bringen. Das ist unser höchstes Gut. Dies gilt genauso für die Krankenschwester, die mit der reparierten B-Klasse wieder ins Spital nach Zweisimmen muss, wie für den prominenten Kunden, der mehrere Fahrzeuge bei uns in den ‹heiligen Hallen› eingestellt hat.» 

Auf die Nachfolgeregelung und die Übernahme des Familienunternehmens durch Beat Imwinkelried angesprochen, betont Geschäftsführer Schenk: «Die Gebrüder Pichler sind immer noch als Repräsentation im Betrieb tätig. Das Team der Garage Pichler will aber auch in Zukunft sicherstellen, dass wir immer noch die Pichlers sind, an die man sich vertrauensvoll wendet, wenn man irgendetwas rund um das Auto braucht oder wissen will.» Weil mit der Rütti-Garage weiter vorne im Ort eine andere Garage Ende 2020 schliesst, will Schenk zudem versuchen, den einen oder anderen Kunden für den Wechsel zur Garage Pichler zu gewinnen, statt dass er jedes Mal bis nach Zweisimmen fahren muss. «Auch vom Shuttle-Business erhoffe ich mir noch einiges. Als Mercedes-Benz-Partner haben wir mit dem Vito oder den verschiedenen V-Klassen auch ideale Fahrzeuge für den Güter- und den Personentransport im Angebot. Die Ideen gehen uns somit noch nicht aus, um weitere Geschäftsfelder für das traditionsreiche Familienunternehmen im Saanenland zu erschliessen.»

Quellen: AGVS-Medien
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