Genau hinschauen ist Pflicht

Schulung des Umwelt-Inspektorats

Genau hinschauen ist Pflicht

31. Mai 2023 agvs-upsa.ch – Neue Kontrolleure braucht das Land: Mitte April sind in Bern die neuen Inspekteurinnen und Inspekteure des Umwelt-Inspektorats (UWI) ­des AGVS ausgebildet worden. Wir haben eine Gruppe begleitet – und erfahren, worauf die bald schon geübten Augen wirklich achten müssen.

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Jedes Detail zählt: Kursleiter Beat Stauffer erläutert die korrekte und nicht nur für die Umwelt sichere Lagerhaltung.

ysc. Noch ein wenig orientierungslos steht die Gruppe um die Kanaldeckel herum. Jedenfalls der grösste Teil von ihr. Die meisten, die sich in diesen zwei Tagen zu Kontrolleurinnen und Kontrolleuren des Umwelt-Inspektorats (UWI) ausbilden lassen, befassen sich zum ersten Mal mit Mineralölabscheidern und Stapelbecken. «Für manche ist der Besuch einer Garage spannender als für jene, die schon zig Schächte gesehen haben», sagt Beat Stauffer. Stauffer arbeitet für die Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ), er ist dort Gewässerschutzbeauftragter. Alleine in der Limmatstadt existieren schliesslich rund 1500 abwasserrelevante Betriebe. An diesen beiden Apriltagen in Bern leitet er die UWI-Schulung. Ein Teil ist Theorie, einer Praxis. Die Auszubildenden haben sich in zwei Gruppen aufgesplittet, eine deutschsprachige und eine mit Romands sowie Tessinern.

Heute steht der praktische Teil an. Anschauungsunterricht bei Emil Frey Bern in Ostermundigen BE. Ein «Vorzeigebetrieb», wie ihn Stauffer nennt. Etwa ein Dutzend Kandidaten hat sich bei eher kühlem April-Wetter auf dem Vorhof der Grossgarage versammelt. Stauffer öffnet hintereinander drei Gullydeckel. Darunter befinden sich Mineralölabscheider, Schlammfang und Stapelbecken. Diese fangen jenes Abwasser auf, das hauptsächlich bei der Reinigung der Motoren und der Chassis entsteht – jeder Behälter hat seine Funktion. Der Schlammfang hält Sand- und Schlammpartikel zurück, ölhaltiges Abwasser wird vor dem Mineralölabscheider vorgereinigt. Vom Stapelbecken wird das Abwasser auf eine Spaltanlage gepumpt, um das restliche Öl sowie feine Partikel zu entfernen.

Beat Stauffer nimmt eine Sondierstange und schiebt sie in den Schacht hinab, bis sie am Boden aufsetzt – und rührt leicht, um das Schlammvolumen im Sandfang zu kontrollieren. «Ihr seht: Hier können wir keinen Schlamm vorfinden, da der Sandfang regelmässig gereinigt wird. Das wird nicht überall so sein. Ihr werdet Situationen antreffen, in denen der Stab aufgrund des schlammigen Untergrunds regelrecht stecken bleibt.»
 

Alle Schächte werden inspiziert
Hier hingegen ist alles in Ordnung, auch die feine Ölschicht im Mineralölabscheider ist normal. «Wir haben es natürlich nicht mit Trinkwasser zu tun», erklärt Stauffer. «Es ist aber vorgereinigtes Abwasser, das nach der Spaltanlage bedenkenlos in die Kläranlage fliessen kann.» Garagen müssten den Vorgaben entsprechend entwässert werden. «Als UWI-Kontrolleur schaue ich mir sämtliche Schächte an: Sie müssen dicht und dürfen nicht verschlammt sein. Eine zu grosse Menge an Öl im Mineralölabscheider wird ebenfalls bemängelt.» Heutzutage fliesse tendenziell weniger Öl von Autos in die Schächte als früher, ist Stauffer überzeugt. Der simple Grund: Autos benötigen deutlich weniger Öl als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Das Umwelt-Inspektorat (UWI) des AGVS entstand 1999 in enger Zusammenarbeit zwischen dem AGVS und den Kantonen Aargau, Solothurn, St. Gallen und Zürich. Das UWI kümmert sich um die Administration, für die eigentlichen Kontrollen werden vertraglich gebundene Firmen eingesetzt, zum Beispiel Chemieunternehmen. Insgesamt besitzen rund 120 Personen eine Kontrollbewilligung, über 70 Firmen können Kontrollen vornehmen. Geprüft werden unter anderem Autoreparatur-, Carrosserie-, Lackier- und Baumaschinenbetriebe, aber auch kantonale und gemeindeeigene Werkhöfe. Wie häufig die Kontrolleure vor Ort auftauchen? Das hänge von der jeweiligen Situation ab, sagt Stauffer. «Bei manchen muss genauer hingeschaut werden.» Gemäss üblichem Turnus komme alle drei Jahre jemand vom UWI vorbei. Die Gruppe der Auszubildenden hat sich mittlerweile in der Werkstatt eingefunden. Es wird gepumpt, geschraubt – das Geräusch eines Wagenhebers ist zu hören. Stauffer stoppt vor dem Lager mit wassergefährdenden Flüssigkeiten. «Diese Fässer hier», erklärt Stauffer mit gehobener Stimme, «sind korrekt gelagert. Wenn ein Fass undicht ist oder beschädigt wird, kann die auslaufende Flüssigkeit mittel Auffangwanne zurückgehalten werden.» Er zeigt auf das Gitter am Boden, welches das darunterliegende Auffangbecken sichert. Die Botschaft beim Rundgang ist klar: Es geht stets um Sicherheit. Sie muss gewährleistet sein, der Umwelt und natürlich den eigenen Mitarbeitenden zuliebe.

Doch was passiert eigentlich mit fehlbaren Garagen und Landmaschinenbetrieben? «Jeder Kontrolleur verfasst einen Rapport ans UWI, das der zuständigen Behörde bei groben Mängeln eine Meldung einreicht. Bei Bedarf geht die Behörde vorbei», erklärt ERZ-Fachmann Stauffer. «Wir machen Auflagen, im Extremfall wird das Werk verzeigt. Es gibt sicher den einen oder anderen schwierigeren Kunden – insgesamt aber läuft das Ganze sehr gut.» Er könne diesbezüglich aber nicht für alle sprechen, so Stauffer.

Nach fast eineinhalb Stunden ist die Besichtigung zu Ende. Die künftigen UWI-Inspekteurinnen und -inspekteure müssen sich nach zwei Ausbildungstagen noch einem Test in Theorie und Praxis unterziehen. Letzteren Teil absolviert die Gruppe in einer präparierten Garage, die vorsätzlich mit Fehlern gespickt wurde. Bestehen würden erfreulicherweise fast alle, sagt Beat Stauffer zufrieden nickend. Vorletztes Jahr beispielsweise seien die Resultate hervorragend gewesen. Ab dann sind die designierten Kontrolleurinnen und Kontrolleure bereit zum Einsatz. Wissend, dass sie nicht überall so makellose Zustände vorfinden werden wie bei Emil Frey Bern. Es wäre ja sonst auch etwas gar einfach.
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