«VW wird noch lange Verbrennermodelle anbieten»

23. Juni agvs-upsa.ch – Der designierte VW-Markenchef Ralf Brandstätter relativiert die Strategie von Konzernchef Herbert Diess, alles der Elektromobilität unterzuordnen. Die Details.

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Ralf Brandstätter. Quelle: Volkswagen

cst. Vor rund zwei Jahren hatte der Volkswagen-Konzern angekündigt, aus der Verbrennertechnik auszusteigen. Demnach soll 2026 die letzte Generation von Benzin- und Dieselautos an den Start gebracht werden. Seither treiben die Wolfsburger die Elektromobilität so konsequent und engagiert voran, wie kaum ein anderer Hersteller. VW hat sich auf die Fahne geschrieben, alles der E-Mobilität unterzuordnen und zum US-Elektroautobauer Tesla aufzuschliessen. Konzernchef Herbert Diess lässt keine Gelegenheit aus, für die Neuausrichtung zu werben.

Allerdings hat nun der designierte VW-Markenchef Ralf Brandstätter den angekündigten Ausstieg aus der Verbrennertechnik relativiert. In einem Interview mit «Auto Motor Sport» liess er verlauten, dass VW noch lange Modelle mit Verbrennungsmotor anbieten werde. «Wir haben immer gesagt, dass wir noch auf lange Sicht verschiedene Antriebsarten gleichberechtigt im Programm haben werden», so Brandstätter zur deutschen Automobilzeitschrift. Jeder Kunde könne sich bei VW für die Technologie entscheiden, die am besten zu seinen Mobilitätsbedürfnissen passt. Dazu gehörten auch die «konventionell angetriebenen Fahrzeuge, deren Emissionsverhalten wir weiter kontinuierlich verbessern werden, auch durch Senkung der CO2-Emissionen mittels Hybridtechnik». Die Aussage Brandstätters steht im Kontrast zum bisherigen Wording von Herbert Diess. 

Als Reaktion auf das Interview liess der VW-Konzern verlauten, dass man die Strategie 2025+ und die damit verbundene Elektro-Offensive weiter mit Nachdruck vorantreibe und, dass Ralf Brandstätter vorbehaltlos hinter dem von Herbert Diess eingeschlagen Kurs stehe. Nichtsdestotrotz: Wie verschiedene deutsche Medien berichten, soll im VW-Konzern ein Machtkampf rund um die E-Strategie toben. Dies dürfte letztlich auch die Teilentmachtung von Herbert Diess bewirkt haben.

Eine Rolle in der ganzen Debatte würden dabei auch die unterschiedlichen Ansichten von VW-Spitze und Händlern spielen. Gemäss «Auto Motor Sport» habe sich der Vertrieb hinter den Kulissen gegen die massive Fokussierung auf Elektroautos und die Streichung wichtiger Verbrennermodelle gewehrt. Ein Beispiel: Als VW die Verbrennervarianten vom Kleinwagen Up und dem Mittelklasse-Beststeller Passat aus dem Sortiment nehmen wollte, liefen die Händler Sturm – die beiden Modelle bleiben weiterhin im Angebot. Ebenfalls auf Drängen des Vertriebs bleibt der Touareg im Sortiment, VWs Luxus-SUV. Das Fahrzeug soll bis 2027 gebaut werden. Diesem Entscheid liegen auch wirtschaftliche Überlegungen zugrunde, verdienen die Wolfsburger pro Touareg doch bis zu 25'000 Euro. Geld, das VW für die Entwicklung der Elektroautos braucht.

Man darf gespannt sein, ob sich mit dem Wechsel an der VW-Spitze per 1. Juli am eingeschlagenen Elektro-Kurs etwas ändern wird. Die Kernmarke VW wird ab dann von Ralf Brandstätter, bisher COO der Marke, geführt. VW-Vorstandsvorsitzender Herbert Diess, der bisher beide Funktionen in Personalunion verantwortet hatte, konzentriert sich dann auf seine Aufgaben als Konzernchef.
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